Heimatverein Immenstaad

Vor über 600 Jahren entstand die Pfarrgemeinde St. Jodokus 

Urkunde
Erste Bulle des Papstes, vom 24. September 1410. Die Ausschnitte zeigen das Siegel von vorn und hinten; die Abkürzung SPASPE bedeutet: Sankt Paul, Sankt Peter. Immenstad ist in der 3. Zeile zu finden. | Foto: Dr. Ch. Schmider


Seit fast 600 Jahren besteht die katholische Pfarrgemeinde St. Jodokus. Wie kam es damals, anno 1410, zur Errichtung? Das Dorf war klein, es hatte 300, höchstens 360 Einwohner und gehörte zur Pfarrei Bermatingen, neben Teuringen eine der Urpfarreien des Linzgaus. Dort stand die Pfarrkirche und der Pfarrer hatte dort seinen Sitz. Der Weg zur Kirche war also sehr weit, etwa 10 km oder 2 ½ Stunden einfach - so daß es mancher vielleicht vorzog, die viel näheren Kirchen in Kippenhausen und Hagnau zu besuchen.

Wegen des „Pfarrzwangs“ mußte man dorthin sonntags zur Messe, und die Toten mußten auf dem dortigen Friedhof beerdigt werden - daher das bekannte „Totensträßle“, heute ein Feldweg am Sickelesholz, den es ähnlich auch von Kluftern aus gibt. Besonders schwierig und kritisch wurde es, wenn der Pfarrer zum Spenden der Sterbesakramente von Bermatingen geholt werden mußte.

Kluftern klagt noch 1600 in einem Brief an den Bischof: Bisweilen kommen wir in Bermatingen an, wenn das halbe Amt oder die Predigt schon um ist, und sind erst um zwölf oder eins vom sonn- und feiertäglichen Gottesdienst wieder zurück. Man bedenke, wie kümmerlich und mühselig wir die Toten nach Bermatingen führen und schleifen müssen. Nicht minder schwer sei es, bei jeder Witterung die Neugeborenen zur entlegenen Mutterkirche zur Taufe zu bringen. Wie notwendig sei es doch für das Seelenheil, daß man nicht ohne Beichte und Kommunion dahinsterbe, letztlich ohne Priester, und nur mit des Mesners Segen begraben werden müsse.

Im Jahre 1391 wurde die Pfarrei Bermatingen dem Kloster Salem inkorporiert, das einen Vikar dorthin setzte. Er erhielt eine Besoldung vom Kloster, welches weiterhin aus dem Pfarrsprengel den Zehnten bezog, soweit er nicht bereits in andere Hände geraten war. Daraus erwuchsen vielleicht die "Unabhängigkeitsbestrebungen" der Immenstaader, die um 1400 die Initiative ergriffen.

Im Jahre 1410 wandte sich die Gemeinde an den (Gegen-) Papst Johann XXIII.; es wird vermutet, daß man dazu eigens einen Boten beauftragte, wohl eher einen Geistlichen, der zum päpstlichen Hof (damals in Bologna!) reiste. Mit einer ersten Bulle vom 24. September 1410 beauftragte der Papst den Generalvikar in Konstanz, die Bitten der Gemeinde, man solle in Anbetracht des weiten und sehr beschwerlichen Weges zur Mutterkirche Bermatingen, besonders zur Winterszeit, gestatten, daß der Kaplan bei ihnen residiere und in der von ihnen neuerbauten Kapelle Gottesdienst halte, zu untersuchen und gegebenenfalls die Stiftung zu bestätigen. Doch solle Bermatingen den Kaplan ernennen und absetzen dürfen. Diese Bulle ist noch erhalten, sie befindet sich im Pfarrarchiv!

Dies war der erste Schritt zur Gründung der späteren Pfarrei. Die eigentliche Stiftungsurkunde hat sich nur in einer Abschrift des 16. Jahrhunderts erhalten, und zwar in den Akten eines Prozesses aus den Jahren 1535 bis 1539, als Pfarrer Jakob Brun (Braun) gegen die Zehntherren von Immenstaad wegen Aufbesserung seiner Bezüge klagte.

Mit Datum vom 11. Dezember 1410 stiften demnach der Ammann, die Gemeinde und die Einwohner des Dorfes unter Bezug auf die Bulle des Papstes die Kaplaneipfründe. Die dazugehörigen Güter, namentlich Weinberge, sind genau aufgezählt, dabei werden etwa 32 Stifter und 34 Anlieger genannt; dem Kaplan wurden jährlich neun Pfund Pfennige Konstanzer Währung Einkommen garantiert. Die Gemeinde verpflichtet sich, die Stiftung stets aufrecht zu erhalten und nie zu widerrufen. Burkhard von Helmsdorf, als einer der Gerichtsherrn des Orts, siegelt die Urkunde.

Wie in der lateinischen Urkunde steht, hatten vor 1410 der Ammann, die Gemeinde und die Einwohner … von andächtigem Eifer erfüllt und zum Seelenheil von uns und von unseren Vorfahren und weil es wegen der weiten Entfernung unseres Dorfes von der Pfarrkirche in Bermatingen schwierig war und ist, besonders bei regnerischen und winterlichen Wetter die Kirche in Bermatingen zu erreichen und zu besuchen ... mit Erlaubnis und Ermächtigung des apostolischen Stuhls aus unseren eigenen Gütern eine Kapelle zu Ehren der Jungfrau Maria, St. Jodokus und aller Heiligen errichtet und von neuem erbaut. Sie lag am westlichen Ende der alten Bebauung des Dorfs. Südlich dieser Kapelle, der späteren Kirche, floß der Kobenbach, in einem tiefen Graben, der zur Kirche hin mit einer Mauer gesichert war. Erst etwa 1935 wurde der Bach verdohlt.

Ich denke, daß die Kapelle schon viele Jahre früher erbaut worden war; Pfarrer Manfred Hermann schreibt im Kirchenführer, sie sei wohl schon um das Jahr 1000 errichtet worden! Das scheint mir nicht unwahrscheinlich - aber eben ohne eigenen Kaplan.

Patron war also von Anfang an der heilige Jodokus, dessen Verehrung als Helfer der Kranken seit dem 14. Jahrhundert verbreitet war. Er schmückt das erste Siegel der Gemeinde, und seine Insignien, Pilgerstäbe, Pilgermuschel und die abgelegte Krone, bilden das heutige Wappen. Im Volksmund hieß er "Jos", und der Vorname war zeitweise sehr beliebt. 1474 fing man an, den Kirchturm zu bauen; die Inschrift am Turm lautet: Als CCCC im LXXIIII iar da wart der erst stain an diesen turn gelait am näste tag nach sant Marxtag, also am 26.April 1474.

Am 17.2.1411 weihte Bischof Stephan von Volterra [Stefano del Buono war 1411-1433 Bischof von Volterra] die "Gottesackerkapelle, welche zu einer Kirche umgebaut worden", mit zwei Altären. Man beachte vor allem auch den ersten Hinweis auf einen eigenen Friedhof. Jedenfalls hatten die Immenstaader Tatsachen geschaffen!

Eine weitere Grundlage der späteren Pfarrei Immenstaad ist die zweite Bulle des Papstes Johann XXIII. vom 1. Mai 1414. Darin wird den geliebten Söhnen, der Gemeinde und den Einwohnern von Immenstaad auf ihre Bitten das Patronatsrecht auf die neu gegründete Kaplanei übertragen, auch solle es erlaubt sein, einen Gottesacker anzulegen und soll einem jeweiligen Kaplan gestattet sein, die heiligen Sacramenta des Altars, der letzten Ölung, wie auch andere zuspenden, aber nur für den Fall, wann der Weg die Mutterkirche zu besuchen der Witterung wegen gar zu hart sein sollte und der Abgestorbenen Leiber nicht füglich nach Bermatingen können getragen werden. Auch dürfe der Kaplan die Opfer behalten.

Wie Konrad Heilig schreibt, war Immenstaad damit de facto Pfarrei und es konnte sich daraus bald eine Pfarrei de jure entwickeln. Am 20. August 1414 präsentierten darauf Werner Trütli, Ammann, und die Gemeinde Immenstaad als Patrone dem Bischof für die von ihnen neugebaute und bewidmete Kapelle den Priester Johann (von) Prasberg mit der Bitte, ihn zu investieren. Auf die Proklamation des Generalvikars erheben Einspruch Konrad Suttoris, ständiger Vikar in Bermatingen, und Abt und Konvent in Salem, welche für sich das Patronatsrecht beanspruchen.

Madonna
Die gotische Madonna im Chor der katholischen Pfarrkirche

Inzwischen war die Zeit des Konstanzer Konzils angebrochen, es wurde am 5. November 1414 eröffnet. Johannes XXIII. war über den Arlberg angereist. Die Gemeinde nutzte die Gelegenheit für Kontakte; aber schon am 21. März entfloh der Papst nach Schaffhausen und wurde am 29. Mai abgesetzt.

Doch noch am 21. Februar 1415 erwirken die Immenstaader eine dritte Bulle vom Papst. Darin wurden die früheren Bullen wiederholt, und weil in der ersten Bulle das Patronatsrecht auf die Kaplanei dem Regenten der Mutterkirche Bermatingen, in der zweiten Bulle aber der Gemeinde Immenstaad zugesprochen worden war, so wurde durch die neue Bulle dieser Fehler korrigiert und die zweite Bulle bestätigt.

Die Abtei Salem gab sich nicht zufrieden; es entstand ein langes Verfahren vor dem Konzil, über das im Immenstaader Ortsbuch und den Heimatblättern (Heft 7) ausführlich berichtet wird. Im Vergleich von 1431, den die Stadt Überlingen vermittelte, kam der Streit wohl zum Abschluß: Immenstaad wurden seine erlangten Rechte der selben Capell bestätigt, Salem aber der weitere Bezug des Zehnten gesichert. In diesem Vergleich ist vom Patronatsrecht der Gemeinde ebensowenig explizit die Rede wie von einem etwaigen Präsentationsrecht des Klosters.

Spätestens seit diesem Vergleich hat man die St. Josen-Kaplanei tatsächlich als "Pfarrei " anzusehen; in der Tat ist wohl ihre formale Umwandlung in eine Pfarrei nie erfolgt. Dies führte später zu Verwechslungen mit der Frühmeßstiftung. In einer Kaufurkunde von 1445 ist bereits von der St. Josen-Kirche die Rede. 1451 verzichtete dann der Graf von Montfort auf sein Patronatsrecht der Kirche (davon er nit vil Nutzen gehept) zugunsten der Gemeinde; wahrscheinlich hatte er das Recht nur beansprucht und nie ausgeübt. 1470 wird der neue Pfarrer Büttler investiert. Die Urkunde von 1473 betrifft nur die Gründung der Frühmesse; doch wird auch in ihr von Kirche und pfärrlichen Rechten gesprochen. Zwischen 1431 und 1470 ist also aus der Kaplanei unbestritten eine Pfarrei geworden.

Von nun an waren die politische und kirchliche Gemeinde eng miteinander verknüpft: die politische Gemeinde hatte das Patronat, wählte also Pfarrer und später zwei Kapläne, verwaltete das Kirchenvermögen, baute Kirche, Pfarr- und Kaplaneihäuser. Noch heute befinden sich die meisten erhaltenen Urkunden der Gemeinde vor 1806 im Pfarrarchiv. Über die weitere Entwicklung der Pfarrgemeinde soll hier aber nicht berichtet werden.

Aufgrund der beiden Urkunden von 1410 feierte die Pfarrgemeinde im Jahr 2010 zu Recht ihr 600jähriges Jubiläum!


Die verlorene Deckenbemalung 1738 der katholischen Pfarrkirche in Immenstaad

Aus den Heimatblättern Heft 4 und Heft 5

F.X. Staiger sagt in seiner Beschreibung der Pfarrkirche (1861): "Die Deckengemälde stellen dar... im Schiff: die hl. Dreifaltigkeit, angebetet von den Heiligen Jodokus und Sebastian, welche ihr zurufen: libera eos domine, namlich a peste, fame et bello, welche Worte ein Engel auf einem aufgerollten Blatte zeigt und zu deutsch heißt: befreie sie o Herr von Pest, Hunger und Krieg, nämlich die auf Schloss Herschberg und in dem Flecken Immenstaad (welche darunter abgebildet sind) und welches sich auf den 30-jährigen Krieg und Folgezeit bezieht."

Diese Deckenbemalung, etwa 300 qm, wurde später entfernt und galt bisher als verloren. Während der Abbrucharbeiten im September 1980 kamen nun überraschend bemalte Deckenbretter zum Vorschein. Der Verputz der Kirchendecke war nämlich auf Strohmatten aufgetragen, die auf Brettern befestigt waren. Diese Bretter ihrerseits waren von unten auf die Querbalken des Dachbodens genagelt und erwiesen sich als auf der Oberseite bemalt. Leider konnten aus dem Schutt nur einige geborgen werden. Die Bruchstücke enthalten Figurenteile und Ornamente. Sie wurden von Victor Mezger auf 1720-40 datiert und stammen daher wohl von der Renovierung 1738 (Erneuerung des "Kirchenhimmels"). Die Länge der Bretter betrug 185 cm, ihre Breite um 15 cm, die Stärke 1 cm. Die verwendeten Nägel und Haken sind industriell gefertigt, nur einige kürzere Nägel zur Befestigung der Strohmatten sind noch handgeschmiedet.

Nach dem Befund muss man schließen, dass die alten Bretter der Decke abgenommen und wieder verwendet wurden, um die Strohmatten für den Verputz zu befestigen. Dabei hat man die bemalte Seite nach oben gedreht. So blieben die Teile zunächst erhalten.

Viele Zuschauer haben sie beim Abbruch gesehen und fotografiert. Niemand hat etwas unternommen, dieses Kunstwerk zu retten. Bei einem sorgfältigen Abbau hätten alle einzelnen Teile geborgen werden können, und es wäre möglich gewesen, das alte, wertvolle Deckengemälde zu rekonstruieren. Die geretteten Bruchstücke sind von sehr guter Qualität, erlauben jedoch nur eine Vorstellung über das Aussehen der Ornamentfelder, die vermutlich auf allen 4 Seiten angebracht waren. Auf graugrünem Grund läuft ein in sich geschlossenes, gelbliches Band mit braunem Randstrich; in der Mitte ist eine gelbe Blüte angebracht. Viele solcher Felder waren nebeneinander zu sehen.

Von den Bildteilen, die sich in der Mitte befanden, ist nur weniges übrig, z.B. ein Heiligenkopf (Jodokus?). Daneben sind Teile des Bildes von 1905 erhalten.

Deckenbretter1 1980
Einige der geretteten Deckenbretter nach der Restauration mit Bemalungen von 1738

Insgesamt sind jetzt 4 verschiedene Bemalungen der Decke des Langhauses bekannt. Die erste umfasste das von Staiger beschriebene Bild, siehe oben, und das gelbe, verschlungene Bandornament.

Die zweite Bemalung stammt vielleicht von 1877/78. Wie die Fotografie von 1897 zeigt, war der hl. Michael dargestellt, der mit der Lanze den Drachen (Satan) abwehrt. Seitlich war ein bandförmiges Ornament angebracht, es war von dem eben genannten verschieden.

Die dritte Bemalung ist oben beschrieben, sie bestand von etwa 1905 bis 1952, mit einem mehr flächenfüllenden Ornament.

Pfarrkirche 1920
Die Pfarrkirche um 1920, mit der dritten Deckenbemalung

Darauf folgte das vierte Bild, das mit dem Kirchenschiff und den verborgenen Resten der barocken Bemalung 1980 unterging. Es zeigte, in Freskomalerei, den hl. Jodokus auf dem Bodensee, in einem Boot, als Pilger und Missionar, und das Ufer mit Bäumen und die Kirche von Immenstaad.

Pfarrkirche 1970
Die Pfarrkirche um 1970, mit der vierten Deckenbemalung


Die Deckenbemalung von 1738

Auf Initiative des Heimatvereins hat Victor Mezger in Überlingen inzwischen einige der aus dem Schutt des Abbruchs geretteten Bruchstücke der ehemaligen Deckenbemalung von 1738 restauriert; er konnte ein Ornamentfeld ganz zusammensetzen (etwa 80 cm x 180 cm) und ein zweites mit etwas anderer Bemalung teilweise.

Victor Mezger schreibt dazu: „Die mir überbrachten Fragmente der ehemaligen Holzdecke sind auf der früheren Unterseite großzügig mit sogenannten Bandelwerk-Ornamenten bemalt gewesen. Ein Stück zeigt einen betenden Mann, der als heiliger Jodokus gedeutet werden kann. Zwei Felder ergeben zusammen einen Brunnen mit einem Fries aus Löwenköpfen, darüber ein Feld mit der Darstellung des Pelikans, der seine Jungen nährt.

Zeitlich ist die Malerei um 1720 bis 1740 anzusetzen, könnte also aus der Renovation von 1738 stammen. Die Malerei ist trotz der Verschmutzung, welche unvermeidlich durch die bei einer späteren Kirchenrenovation erfolgten Nutzung als Schalbretter für die neugotische Gipsdecke entstand, relativ gut erhalten. Dies ist umso erstaunlicher, als sie m. E. in Caseintempera ausgeführt, also sehr empfindlich gegen Feuchtigkeit war. Nachdem dies die einzig erhaltenen Stücke der einst sicherlich imponierenden Deckenbemalung sind - weniger die Ornamentik als das zerfetzte Fragment des Heiligen (Hände!) lassen einen routinierten Maler erkennen - sollten diese Dokumente, so kärglich sie sind, unbedingt erhalten werden.“

Weiter meint er: „Leider ist dabei nicht klar geworden, wie es mit den beiden Bemalungen steht, den reinen Ornamenten und den wenigen Bruchstücken figuraler Bemalung, die sich von dem Löwenbrunnenmotiv stilistisch und in der Malweise deutlich unterscheiden. Da diese letzteren auf blauem, bereits bemalten Grund bemalt sind, wird die Sache noch rätselhafter.

Es sind leider wenig weitere Stücke, die unsere Vorstellung von der Deckenmalerei bereichern könnten, lediglich ein Adler und ein von einer Hand gehaltenes Buch lassen auf die Darstellung des Evangelisten Johannes schließen - die Malweise entspricht dem Jodokus.“

Deckenbretter2 1980
Einige der geretteten Deckenbretter nach der Restauration mit Bemalungen von 1738

Das Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau (Jürg Ganz) schreibt zum selben Thema:

„Mit Entsetzen habe ich Ihren Bericht zum Abbruch der Pfarrkirche gelesen, habe ich mir doch nicht träumen lassen, dass so was 1980 noch am Bodensee möglich ist.

Die Deckenmalerei ist von hoher Qualität und lässt sich z. B. mit den plastisch in Stuck ausgeführten Ornamenten der Klosterkirche Münsterlingen vergleichen. Die Darstellungsweise des alten Beters zeigt die Hand eines virtuosen Könners. Man denkt an Franz Georg Herrmann, was zeitlich (1738) möglich wäre, jedoch stilistisch noch genauer untersucht werden müsste. Ähnliche auf Holz gemalte Decken sind mir bisher nicht bekannt geworden. Wie leicht derartige Werke zugrunde gehen können, zeigt sich in diesem Falle erneut.“

Eine weitere Ergänzung zu dieser Deckenbemalung kommt aus Ottobeuren. Pater Ägidius Kolb teilt uns mit, dass es sich bei dem Ornament in der Mitte des einen Feldes, die goldene Rosette, ganz sicher um das Wappen des Ottobeurer Konvents handelt.

Pater Kolb schreibt dazu: „Bei all unseren „Maleraufträgen“ (des 18. Jahrhunderts) ist dieses Ornament immer da und dort zu finden. Und wahrscheinlich hat man das nicht nur als Ornament benutzt, sondern der Abt Rupert Neß (1710-1740) hat um 1738 sicher auch aus seiner „Schatulle“ mitgeholfen zur Bemalung dieser damaligen lmmenstaader Kirchendecke.“


Pfarrer Katzenmayer läßt renovieren

In seinem schönen Führer zur katholischen Pfarrkirche St. Jodokus in Immenstaad, 2000, berichtet Manfred Hermann (†2011), Pfarrer in Ebringen, über die Baumaßnahmen um 1900: 1902 wurden Turm, Langhaus und Chor außen erneuert, 1905 wurde das Innere restauriert.

Der Pfarrer, der sich damals so dafür einsetzte, war Theodor Katzenmayer (1900-1910); von ihm ist nur bekannt, daß er aus Konstanz stammte. Auch ein Foto von ihm gab es bisher nicht.

Doch ein besonderer Fund hilft uns weiter. Nach dem Tode von Karl Glatthaar im vergangenen Jahr (der Dritte des Namens) fand sich in seinem Nachlaß ein großes, ja großartiges und einzigartiges Foto. Im Format 28 x 34 cm zeigt es einen Zwischenstand bei der Renovierung des Kirchturms.

Aufgenommen wurde das Bild von gegenüber, etwa von Süden, vielleicht vom ersten Obergeschoß des Hauses Hauptstraße 2 aus.

Renovierung 1902
Bei der Renovierung des Kirchturms um 1902 | Reproduktion: Bernhard Wrobel

Zu sehen sind ein Teil des Kirchenschiffs, der Chor, der Turm und das Pfarrhaus. Entlang der (heutigen) Meersburger Straße stehen 18 Männer, alle mit Hüten und in Handwerkerkleidung. Davor sitzen 3 (wohl) Lehrlinge. Vier Fenster des Pfarrhauses sind geöffnet, aus den beiden im Erdgeschoß schauen noch 3 weitere Personen. Keine der Personen ist mehr identifizierbar. Vom Turm sieht man die Süd- und Ostseite, er ist auf allen Seiten eingerüstet; auf das steile Dach führen 2 Leitern und selbst die Turmspitze ist bis ganz oben eingerüstet.

Besondere Aufmerksamkeit erregt das Ziffernblatt der Turmuhr, das auf dem Boden steht. Es ist mehr als mannsgroß (etwa 2 m) und drei Männer kümmern sich drum. Es ist übrigens das westliche der beiden heute noch vorhandenen Ziffernblätter, denn das östliche ist oben bereits wieder montiert oder noch nicht behandelt. Unter diesem kann man heute noch, in Stein gehauen, lesen „Renov. 1902“. Das bestätigt auch das Jahr, an dem das Foto entstand: 1902 oder 1903.

Ziffernblatt 1902
Die Arbeiter vor dem Ziffernblatt

Noch eine ganze Menge weiterer Einzelheiten kann man entdecken. Höhepunkt dabei ist der Pfarrer. Denn neben der Ecke des Pfarrhauses, hinter den beiden weiß gekleideten (wohl) Gipsern steht ein Mann, der einzige ohne Hut oder Mütze. Es ist der Pfarrer, also Theodor Katzenmayer, in seiner schwarzen Soutane. Der Ausschnitt aus dem großen Bild ist leider unscharf, aber das einzige Bild, das ich von ihm kenne. Ob es noch andere Fotos oder Bilder von ihm gibt?

Pfarrer Theodor Katzenmayer
Pfarrer Theodor Katzenmayer 

Handwerker
Alle Bauhandwerker tragen Mützen, Kappen oder Hüte

Was man auf dem Foto nicht sehen kann, nur erahnen, ist das damalige Umfeld. Denn zwischen Pfarrhaus und Kirche verlief damals noch der Dorfbach, in einem tiefen Graben. Er erreichte, als „Kobenbach“ von Kippenhausen her kommend am Haus Berger (Meersburger Str. 18) die Straße, die ja damals noch nicht geteert war. Für die Gläubigen führte an der Michaelskapelle eine Brücke über den Bach zur Kirche und zu dem umliegenden Friedhof. Daher befindet sich über dem Eingang der Kapelle eine kleine hölzerne Statue des Brückenheiligen Nepomuk. Erst um 1936 wurde der offene Bach verdohlt und die Brücke entfernt. Auf dem Foto erkennt man den Bachverlauf an den hohen Büschen. Zu den Bauarbeiten mußten die Handwerker über den Friedhof und haben sicher den Bachgraben provisorisch überbrückt.

Wer noch mehr über die Kirche, das Pfarrhaus (neu erbaut 1885), die Turmuhr von 1893, kirchliche Bräuche oder die Michaelskapelle lesen will, findet sehr viel hier auf der Homepage des Heimatvereins und in den Heimatblättern.

Der Verein wäre sehr dankbar, wenn uns weitere Bilder von Pfarrern, Kirche oder Pfarrhaus zum Kopieren überlassen würden.

Wolfgang Trogus, Oktober 2017


Tag des offenen Denkmals am Sonntag, dem 8. September 2019

Er stand unter dem bundesweiten Motto: Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur

Wir zeigten die katholische Pfarrkirche St. Jodokus in Immenstaad

Hier kann man gut den Umbruch in der Architektur zeigen anhand der Außenansicht der im Jahre 1980 neu gebauten Kirche aber auch anhand der Innenarchitektur, die einer gewandelten Liturgie folgt.

Kirche 1978 2015

Schon am 17. Februar 1411 weihte Bischof Stephan von Volterra eine „Gottesackerkapelle, welche zu einer Kirche umgebaut worden“, mit 2 Altären an derselben Stelle ein. Der Grundstein der ersten Kirche wurde 1474 gelegt, der damals errichtete Turm hat bis heute überdauert. Die Fertigstellung erfolgte 1487. Der asymmetrisch angelegte Chor lässt den gotischen Einfluss erkennen.

Das Kirchenschiff war im Laufe der Jahrhunderte etlichen Veränderungen unterworfen, es wurde 1980 abgebrochen. Der Chor blieb als Seitenkapelle erhalten. Die danach neu gebaute Kirche wurde am 24. Oktober 1982 eingeweiht. Der Pfarrsaal und verschiedene Veranstaltungsräume fanden im Untergeschoss Platz. Der Chorbogen ist ebenfalls noch ein Zeugnis aus gotischer Zeit. Die barocke Ausstattung wurde dem Zeitgeschmack entsprechend gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch eine im neugotischen Stil ersetzt.

Die Pläne für den Neubau erstellte der Architekt Hanns Schlichte aus Friedrichshafen. Die neue Kirche im Verbund der Bauteile aus verschiedenen Jahrhunderten mit einer Art Zeltdach ist architektonisch beeindruckend. Baubeginn war 1980, davor gab es über fünf Jahre lang Querelen und Prozesse zum Thema der Erhaltung des Kirchenschiffes. Der Grundstein wurde am 8. November 1981 gelegt, das Pfarrheim im Untergeschoss des Neubaus wurde Ende 1982 fertiggestellt.

Veranstalter: Heimatverein Immenstaad e.V. in Zusammenarbeit mit der katholischen Pfarrgemeinde

Führungen waren um 11 Uhr, 14 Uhr und 15 Uhr durch Harald Buckenmaier

Abriss 1980
Kirchenabriss 1980; man sieht Reste der untergegangenen Deckenbemalung von 1738

Der bundesweite Tag des offenen Denkmals am vergangenen Sonntag, den 08. September 2019 stand dieses Jahr unter dem Motto „Modern(e) Umbrüche in Kunst und Kultur“. Was lag bei diesem Thema für den Immenstaader Heimatverein näher, als an diesem Tag die Immenstaader Katholische Kirche St. Jodokus für eine Kirchenführung zu öffnen.

Pfarrer Schneider gab dazu das nötige Einverständnis und wir konnten mit Harald Buckenmaier einen versierten Referenten gewinnen. Harald Buckenmaier ist seit vielen Jahren eng mit der Kirche St. Jodokus verbunden als Mitglied des Pfarrgemeinderates und auch als Mesner.

Über 100 Besucher nahmen die Gelegenheit wahr, sich an diesem regnerischen Tag genauer mit der Geschichte von St. Jodokus zu befassen. Dreimal in einer jeweils einstündigen Führung, die er mit viel Liebe zum Detail vorbereitet hat, erzählte Harald Buckenmaier in sehr kurzweiliger und verständigen Art einiges Altes und Neues über die Immenstaader Kirche.

St Jodokus ist Patron der Pilger, Schiffer, Bäcker, Bauern und Winzer, Kranken wodurch der Bezug zu Immenstaad deutlich wird. Wahrscheinlich gab es bereits vor 1000 Jahren eine Kapelle an der Stelle der heutigen Kirche.

Im Jahre 1410 wurde mit dem Bau einer Kapelle begonnen, zu Ehren der Jungfrau Maria, St. Jodokus und aller Heiligen. 1474 wurde mit dem Bau des Kirchturms und danach mit dem Bau der Kirche begonnen.

Bis 1970 wurde die Kirche mehrfach renoviert und modernisiert, bis der Pfarrgemeinderat 1973 beschloss, das Kirchenschiff abzubrechen, dabei aber Chor und Turm zu erhalten.

1982 wurde die neue Kirche in im jetzigen Stil eingeweiht. Zusätzlich zur Kirche gibt es nun Räume für Veranstaltungen, Probenräume für den Kirchenchor, einen Versammlungsraum für die Ministranten und die Frauengemeinschaft.

In einem zweiten Teil des Vortrags erläuterte Harald Buckenmaier den alten Chor mit Beichtstühlen und dem neugotischen Hochaltar. Es war eine sehr gelungene Führung, für die wir uns bei Harald Buckenmaier sehr herzlich bedanken, vor allem für seine fundierte Vorbereitung.

Lassen wir uns überraschen, welches Thema der nächste Tag des offenen Denkmals bereithält.

Bettina Rebstein

Fuehrung1

Fuehrung2
Harald Buckenmaier bei seinen Führungen

Deckenbretter 1738
Auch gerettete Exemplare der untergegangenen Deckenbemalung von 1738 wurden gezeigt.

 

Die katholische Kirche St. Jodokus Immenstaad

Zahlen – Daten – Fakten

Zusammengestellt von Harald Buckenmaier, Juli 2019

Quellen:

  • Festschrift zur Kirchenkonsekration am 24.10.1982
  • Kirchenführer: St. Jodokus Immenstaad am Bodensee, Wilhelm Weßbecher, 1988
  • Immenstaad, Geschichte einer Seegemeinde, Verlag Stadler, Konstanz 1995
  • Kirchenführer: Kath. Pfarrkirche St. Jodokus, Immenstaad am Bodensee, Manfred Hermann, 2000
  • Immenstaader Heimatblätter, Heft 18, 2001
  • Immenstaader Heimatblätter, Heft 19, 2003
  • Pfarrbrief zum Jubiläum 600 Jahre kath. Pfarrgemeinde, 2010
  • Der heilige Jodocus, Patron der Pilger, Fischer und Bauern, Alfred Rössler, Landshut 2014

Geschichte

  • Wahrscheinlich bestand bereits seit dem Jahr 1000 eine Kapelle
  • Um 1331niedere Gerichtsbarkeit in Immenstaad bei 3 Herren: in der Mitte Herren von Helmsdorf (später Montfort und Kommende Mainau), im Osten Grafen von Werdenberg (später zu Fürstenberg), im Westen (Ried) Reichsstadt Überlingen
  • Um 1400 gab es 300 - 360 Einwohner und Immenstaad gehörte zur Pfarrei Bermatingen; dort stand die Pfarrkirche und der Pfarrer hatte dort seinen Sitz; der Weg nach Bermatingen war weit, etwa 10 km oder 2 ½ Stunden; wegen des Pfarrzwanges musste man dorthin sonntags zur Messe, und die Toten mussten auf dem dortigen Friedhof begraben werden (Totensträßle!); Besonders schwierig war es, wenn der Pfarrer zum Spenden der Sterbesakramente von Bermatingen geholt werden musste
  • Um 1400 Unabhängigkeitsbestrebungen (von Bermatingen als Mutterkirche) der Immenstaader (300 – 350 Einwohner)
  • Vor 1410 Bau einer Kapelle (zu Ehren der Jungfrau Maria, St. Jodokus und aller Heiligen) an der Stelle des heutigen alten Chorraumes (St. Jodokus, im Volksmund auch „Jos“ genannt, Helfer der Kranken)
  • Im Jahre 1410 wandte sich die Gemeinde (man sandte einen Boten zum päpstlichen Hof in Bologna (einen Geistlichen?) an den (Gegen-)Papst Johann XXIII.
  • 24. September 1410: Erste Bulle des (Gegen-)Papstes Johann XXIII.: Auftrag an den Generalvikar in Konstanz die Bitten der Gemeinde zu gestatten: Der Kaplan soll in der neuerbauten Kapelle Gottesdienst abhalten, in Immenstaad residieren und die Stiftung bestätigen, doch solle Bermatingen den Kaplan ernennen und absetzen dürfen. Diese Bulle ist noch erhalten und befindet sich im Pfarrarchiv! Dies war der erste Schritt zur Gründung der späteren Pfarrei (siehe 2010 600-Jahrfeier der Kirchengemeinde)!
  • 11.12.1410 Der Ammann, die Gemeinde und die Einwohner stiften unter Bezug auf die Bulle des Papstes die Kaplaneipfründe; dem Kaplan wurden jährlich neun Pfund Pfennige in Konstanzer Währung als Einkommen garantiert; die Gemeinde verpflichtet sich die Stiftung aufrecht zu erhalten und nie zu widerrufen (siehe Kult- und Baupflicht); Burkhard von Helmsdorf, als einer der Gerichtsherrn des Ortes, siegelt die Urkunde
  • Die bestehende Kapelle wird von neuem erbaut; südlich dieser Kapelle, der späteren Kirche, floss der Kobenbach in einem tiefen Graben, der zur Kirche mit einer Mauer gesichert war. Erst etwa 1935 wurde der Bach verdohlt.
  • 17.02.1411 Bischof Stephan von Volterra (Stefano del Buono, 1411-1433 Bischof von Volterra) weiht die Gottesackerkapelle, die zu einer Kirche mit 2 Altären umgebaut worden war; Man beachte den Hinweis auf einen eigenen Friedhof; Damit hatten die Immenstaader Tatsachen geschaffen.
  • 1. Mai 1414: Eine weitere Grundlage der späteren Pfarrei ist die zweite Bulle des Papstes Johann XXIII.: Darin wird den „geliebten Söhnen“, der Gemeinde und den Einwohnern von Immenstaad auf ihre Bitten das Patronatsrecht auf die neu gegründete Kaplanei übertragen. Auch solle es erlaubt sein, einen Gottesacker anzulegen, dem jeweiligen Kaplan gestattet sein, die heiligen Sakramente des Altars, der letzten Ölung wie auch andere zu spenden, aber nur für den Fall, dass der Weg nach Bermatingen wegen der Witterung gar zu hart sein sollte; Der Kaplan dürfe auch die Opfer behalten. Damit war Immenstaad de facto Pfarrei und es konnte sich eine Pfarrei de jure entwickeln.
  • 20. August 1414: Werner Trütli, Ammann, und die Gemeinde Immenstaad als Patrone bitten den Bischof, den Priester Johann (von) Prasberg zu investieren; der ständige Vikar (Konrad Suttoris) in Bermatingen und Abt und Konvent in Salem erheben Einspruch
  • 21. Februar 1415: Die Immenstaader erwirken eine dritte Bulle des Papstes. Darin wurden die früheren Bullen wiederholt und weil in der ersten Bulle das Patronatsrecht aufdie Kaplanei dem Regenten der Mutterkirche Bermatingen, in der zweiten Bulle aber der Gemeinde Immenstaad zugesprochen worden war,, so wurde durch die neue (dritte) Bulle dieser Fehler korrigiert und die zweite Bulle bestätigt.
  • 1417 Priester Johann von Praßberg wird als 1. Kaplan investiert.
  • Die Abtei Salem gab sich nicht zufrieden; es entstand ein langes Verfahren vor dem Konzil (Konstanzer Konzil 1414-1418); es kam zum Vergleich von 1431, den die Stadt Überlingen vermittelte; Immenstaad wurden seine erlangten Rechte der selben Capell bestätigt – Salem der weitere Bezug des Zehnten gesichert; die St. Josen-Kaplanei ist als Pfarrei anzusehen
  • 1431 - 1470 Immenstaad wird aus einer Kaplanei zur Pfarrei
  • Von nun an waren die politische und kirchliche Gemeinde eng miteinander verknüpft: die politische Gemeinde hatte das Patronat, wählte also den Pfarrer und später 2 Kapläne, verwaltete das Kirchenvermögen und baute Kirche, Pfarr- und Kaplanhäuser
  • 1474 Bau des Kirchturmes, danach Beginn des Kirchenbaus
  • 1487 Fertigstellung der Kirche mit reich verziertem Schnitzaltar
  • Vor 1511 (durch pestartige Seuche) Entstehung der Sebastiansbruderschaft
  • 1628/29 neuer Hochaltar vom Konstanzer Bildhauer Hans Schenck mit der erhaltenen gotischen Madonna
  • Zerstörungen (u.a. Altar) im 30-jährigen Krieg (1618-1648)
  • 1664/65 neuer Hochaltar, zugleich Altar der Rosenkranzbruderschaft (ins Leben gerufen von Pfr. Sebastian Einhart (1660-1683)) mit der gotischen Madonna (1478), flankiert vom Hl. Dominikus und Hl. Katharina umgeben von den 15 Rosenkranzgeheimnissen in Rundreliefs (13 erhalten)
  • 1750 das gotische Chorgewölbe wird durch eine Stuckdecke verdeckt
  • Ab 1806 Zuordnung der Gemeinde zum Großherzogtum Baden
  • Anfang des 18. Jahrhunderts, Bau der Michaelskapelle
  • Anfang des 18. Jahrhunderts, Immenstaad zählt ca. 500 Einwohner
  • Um 1876 bestellt der Stiftungsrat 3 neugotische Altäre, Beichtstühle, eine Kommunionbank und pyramidenförmige Überdachungen der Apostelfiguren (siehe Karl Reihing, Tettnang 1877) – Wiederverwendung der gotischen Madonna und der barocken Figuren des Hl. Dominikus und der Hl. Katharina
  • Bis 1970 mehrfache Renovierung der Kirche
  • Bis 1970 Pfarrer Johann Traber vermerkt, dass die Kirche zu klein ist (nur 368 Sitzplätze)
  • 21.11.1971 Investitur von Pfarrer Wilhelm Weßbecher
  • Seit dem 27.01.1972 Beginn der Planungen und Verhandlungen für einen Neubau
  • Verhandlungen mit der kath. Kirchengemeinde, der polit. Gemeinde, dem Landesdenkmalamt, und dem Erzbischöfliches Ordinariat in Freiburg waren schwierig und langwierig, da die politische Gemeinde bau- und kultpflichtig war
  • 1973 Beschluss des Pfarrgemeinderats über den Abbruch des Kirchenschiffs, Chor und Turm sollten erhalten bleiben.
  • 1974 Architektenwettbewerb; der PGR entschied sich mit 12:1 stimmen für den Architekten Schlichte
  • 1975 Erörterung der Neubaumaßnahme mit der Gemeinde; hier: Widerstand wegen der Kult- und Baupflicht; in einer öffentlichen Gemeinderatssitzung regte sich aus Sorge und Zerstörung eines kostbaren Baudenkmals eine erhebliche Gegnerschaft
  • 1976 der PGR ersucht wiederholt um die Erteilung einer Baugenehmigung
  • 17.12.1976, ein Teil der Kirchendecke stürzt ab
  • 1977, leichte Abänderung des bisherigen Bauplanes mit Verschiebung des des Kirchenbaus nach Norden; neue Verhandlungen mit Parteien und Gemeinderat; Befürwortung des abgeänderten Baugesuchs durch den Gemeinderat
  • 1978 die Gemeinde verlangt einen formellen Antrag der Kirchengemeinde für den Abbruch des Kirchenschiffs; Erteilung der Baugenehmigung mit 51 Auflagen
  • 12.05.1980, Baufreigabe
  • 15.05.1980, Christi Himmelfahrt, letzte Hl. Messe
  • 1980 Beginn des Kirchenabrisses, alter Chor und Turm bleiben bestehen
  • 1980/81 Baubeginn des neuen Kirchenraumes
  • 8.11.1981 Grundsteinlegung
  • 11.09.1982 Einweihung der Unterkirche mit großem Saal, Küche, Besprechungsraum, Probenraum für den Kirchenchor, Versammlungsraum für die Ministranten und Frauengruppe, Sanitäre Anlagen
  • 24.10.1982 Konsekration der neuen Kirche unter Weihbischof Dr. Karl Gnädinger, Freiburg
  • Neue Kirche hat 537 Sitzplätze
  • 1991 Figurengruppe des Hl. Jodokus in Stirnwandfenster, außen (Egino Weinert)
  • 1993 Einbau der Orgel mit 23 Registern (Firma Peter Mönch, Überlingen)
  • 2010 600-Jahrfeier der Pfarrgemeinde

Alter Chor

  • Asymmetrischer Chorraum (Ende des 15. Jahrhunderts)
  • Ursprünglich gotischer Stil (Chorbogen, Glasfenster)
  • 1750, das Netzrippengewölbe musste bei der späteren Barockisierung der Kirche einer Stuckdecke (Gipsdecke) weichen
  • Ende des 19. Jahrhunderts neugotische Ausstattung
  • 1877, neugotischer Hochaltar „durch milde Gaben der Gemeinde Immenstaad unter Pfarrer Michael Stang von Karl Reihing, Tettnang“ mit Madonna mit Jesuskind (um 1470), (ursprünglich für Konstanz gedacht) zählt zu den bedeutendsten gotischen Plastiken in der Bodenseeregion, daneben Holzplastiken des Hl. Dominikus und Hl. Katharina von Siena (um 1665), weiter daneben Hl. Konrad von Konstanz (links) und der Kirchenpatron, der Hl. Jodokus (rechts)
  • 1877 von Reihing stammen wohl auch das Chorgestühl, die Beichtstühle, die Seitenaltäre, die geschnitzte Kommunionbank und die pyramidenförmigen Bedachungen der Apostel
  • Darstellung des Grabmals geschaffen von Esaias Grueber d. J. um 1600
  • 2 Sandstein-Epitaphe von Dominikus Hermenegild Herberger, der zuletzt in Immenstaad lebte und dort am 12.05.1760 starb
  • Eingangstüre zum Turm (früher Sakristei, heute Schatzkammer) von 1722
  • 1895 Sakristei-Neubau mit gotischer Spitzbogentür
  • Darstellung des Abendmahles an der Decke (18. Jahrhundert)
  • Taufstein
  • 1877 Kirchenfenster Glasmalerei Lütz Sigmaringen (u.a. die Kirchenlehrer Ambrosius und Augustinus)
  • Im Fenster nach Süden Geburt Christi (Hans Breinlinger, Konstanz 1952)
  • 2 (von ehemals 4) Chorstühle, 1713 mit Wappen: a) Kommende Mainau (links) und b) Zeichen (Wanderstäbe, Pilgermuschel und Krone) des Kirchenpatrons St. Jodokus (rechts) aus dem 16. Jahrhundert
  • 1688/90 9 Apostel (nahezu lebensgroß) aus der Werkstatt des Konstanzer Bildhauers Christoph Daniel Schenk (1633-1691), 2 weitere Statuen und Christusstatue 1691, insgesamt 14 Statuen mit St. Paulus (kam erst später zu den Zwölfen) und Christus

Turm

  • Zugang durch den alten Chor
  • Bemerkenswert ist die Türe von 1722 mit eisernem Schloss
  • Früher war das EG Sakristei
  • Heute 3 Stockwerke Schatzkammer mit Ausstellung Liturgischer Geräte, Vortragskreuz, Schatzkiste, Figuren
  • Keilstufentreppen führen hinauf
  • 60 Stufen bis zur Turmuhr, die täglich aufgezogen werden musste
  • Das Uhrwerk der Turmuhr (1893, Mannhardt, München) steht heute auf dem Rathausplatz in Immenstaad
  • 4 ältere Glocken (c‘ – es‘ – a‘ – g‘‘) (siehe Immenstaader Heimatblätter, Heft 18, Seiten 68 bis 77)
  • 18. Juli 2010 Glockenweihe von 2 weiteren, neuen Glocken (c‘‘ – f‘‘) (unter Pfarrer Wolfgang Demling ergänzt), gegossen am 30.04.2010 in Passau in der Glockengießerei Perner

Schatzkammer

  • EG, 1. und 2. Stockwerk wurde unter Pfarrer Willi Kirchmann 1999 renoviert und als Schatzkammer eingerichtet
  • Ausstellung Liturgischer Geräte im EG und 1. Stockwerk
  • Ausstellung von Figuren im 2. Stockwerk
  • Näheres siehe Immenstaader Heimatblätter Heft 18, Seiten 28 – 67
  • Näheres siehe Immenstaader Heimatblätter Heft 19, Seiten 218 – 227

Kirche Außen

  • Kreuzigungsgruppe (um 1630)
  • Pfarrergräber
  • Kerker Christus
  • Stirnwand Südseite neuer Teil: St. Jodokus, 1991

Neuer Teil der Kirche

  • Sonntag, 24. Oktober 1982 feierliche Konsekration
  • Fertigstellung unter Architekt Hanns B. Schlichte, Friedrichshafen
  • Hanns B. Schlichte, geb. 18.04.20 in Oberndorf,Neckar gest. 10.07.94 in Friedrichshafen: Bedeutende Werke u.a.:
    • 1960 Innenraum St. Nikolaus, Friedrichshafen
    • 1981 Kirche „Zur Heiligen Familie“, Ulm-Donaustetten
    • Kirche „Mariä Geburt“, FN-Jettenhausen
    • St. Columban, FN
    • St. Gangolf, FN-Kluftern
    • St. Paulus, Künzelsau
    • Jungen- und Mädchenrealschule St. Elisabeth, FN
  • Seine Prämisse: „Kirchenerneuerung“ nach Kriterien des 2. Vatikanischen Konzils (11.Okt. 1962 unter Papst Johannes XXIII.)
    • Quergelagerter Grundriss
    • Sechseckform bietet sich an
    • Hervorhebung des Altarplatzes in der Mitte des Raumes
    • Zeltdachform (Himmelszelt – „Das Zelt Gottes unter den Menschen!“)
    • Ausrichtung nach Süden
  • Altar, Ambo, Tabernakelstele, Sedilien (Sitze), Weihwasserstelen, Grundstein (an der Chorwand) und Jodokusvitrine gestaltet von Hanns B. Schlichte
  • Altarwandbild (siehe Schlichte, 1982) nach Apokalypse 21 (1-4, 9-19, 21-27),(Apokalypse = Offenbarung des Johannes, einzige prophetische Schrift des Neuen Testaments), gestaltet 1982 von Hermann Geyer, Ulm,          Gottes Wohnung unter den Menschen         Seht die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein.      Das neue Jerusalem            Die Stadt hat eine große und hohe Mauer mit 12 Toren und 12 Engeln darauf. Auf die Tore sind Namen geschrieben: die Namen der 12 Stämme der Söhne Israels. Im Osten hat die Stadt 3 Tore, im Norden 3 Tore, im Süden 3 Tore und im Westen 3 Tore. Die Mauer der Stadt hat 12 Grundsteine; auf ihnen stehen die 12 Namen der 12 Apostel des Lammes. Die 12 Tore sind 12 Perlen; …; Einen Tempel sah ich nicht in der Stadt. Denn der Herr, ihr Gott, der Herrscher über die ganze Schöpfung ist ihr Tempel, er und das Lamm. Die Stadt braucht weder Sonne noch Mond, die ihr leuchten. Denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm.
  • Mauer mit
    • 12 Toren
    • 12 Engeln
    • 12 Stämme der Söhne Israels
    • 12 Grundsteine
    • 12 Apostel
    • 12 Perlen
    • Lamm Gottes
  • Chorbogenkreuz (um 1525)
  • Altarblock aus Granit steht auf 3 Säulen (Gesamtgewicht ca. 5 t)
  • 4 Kerzenleuchter mit je 3 Kerzen (insgesamt 12 Apostel-Kerzen), Egino Weinert, 1982
  • Leuchter mit Osterkerze, Egino Weinert, 1982
  • Tabernakelstele mit Darstellung des Abendmahles (Egino Weinert, 1982)
  • Ambo mit Emailbild: „Aussendung des Hl. Geistes“ (Egino Weinert, 1986)
  • Orgel (seit 1993) mit 23 Register, 1356 Orgelpfeifen, Orgelbaumeister Peter Mönch, Überlingen
  • Ewiges Licht
  • Reliquienschrein des Hl. St. Jodokus (Egino Weinert, 1982)
  • Hl. Antonius
  • St. Petrus und St. Paulus (13. Apostel, er war erst Saulus und kam später zu den Zwölfen)
  • Wandgemälde „Mariä Himmelfahrt“ mit Rosenkranzgeheimnissen (waren früher Teil eines Vorgängeraltars, 2 wurden in der Bauphase entwendet, als diese in der Kapelle St. Michael untergebracht waren)
  • Hl. Sebastian
  • 12 Apostelkerzen an den Wänden, Egino Weinert, 1982
  • Wandfenster: Buntglasfenster, 1982, Hermann Geyer, Ulm
    • Nordseite: Szenen des Alten Testaments, Geburt Jesus Christus, Kreuzweg,
    • Westseite: Schöpfungsgeschichte
  • St. Josef

Apostelfiguren

(von links nach rechts)

  • Petrus (1. Papst = Nachfolger Christi auf Erden)
  • Paulus (kam erst später dazu; Saulus-Bekehrung)
  • Thomas
  • Andreas
  • Jakobus der Jüngere
  • Johannes
  • Christus-Figur
  • Jakobus der Ältere
  • Philippus
  • Bartholomäus
  • Matthäus
  • Simon
  • Judas Thadäus (Sohn des Jakobus)
  • Matthias (zugewählt per Losentscheid für Judas, den Verräter!)

Die 4 Evangelisten

  • Matthäus
  • Markus
  • Lukas
  • Johannes

Kirchenpatron St. Jodokus

  • Patrozinium am 13. Dezember (3. Sonntag im Advent)
  • Patron der Kranken und Pilger, Fischer und Bauern
  • Darstellungen
    • Südseite außen, neuer Teil der Kirche (1992)
    • Darstellung im alten Altar
    • Darstellungen aus dem Leben des Hl. Jodokus im Reliquienschrein, neuer Teil der Kirche
  • Attribute
    • Im Wappen im Chorstuhl (rechts)
    • Im Wappen der Gemeinde Immenstaad (2 gekreuzte Pilgerstäbe, Pilgermuschel und Krone)
  • Reliquienschrein mit Reliquie

St. Jodokus, (St. Josse)

  • geb. Ende des 6. Jahrhunderts (593?)
  • Vater war König in der nördlichen Hälfte der Bretagne (Frankreich)
  • Jodokus sollte nach dem Tod des Vaters und nach Verlust der Herrschaft seines Bruders Judicael die Krone übernehmen
  • Jodokus verzichtet auf die Krone und schließt sich einer elfköpfigen Pilgergruppe an, die nach Rom reisen will
  • Herzog Haymo von Ponthieu in der Picardie nahm unterwegs die Pilger auf
  • Herzog Haymo erkannte die Begabungen des Jodokus und ließ ihn zum Priester weihen
  • Wenige Jahre später zog sich Jodokus als Einsiedler zurück an den Küstenfluss Authie nach Brahic
  • Mit Hilfe von Herzog Haymo errichtet er eine Kapelle und Einsiedelei
  • 8 Jahre später begab sich Jodokus nach Runiac an der Cranche und erhielt dort von Herzog Haymo eine Kapelle
  • Mit einem Gefährten blieb er 13 Jahre dort
  • Herzog Haymo gewährte ihm einen neuen Aufenthaltsort zwischen den Küstenflüsschen Authie und Cranche, heute Saint-Josse-sur-Mer nahe am Meer
  • Jodokus errichtet dort (665) eine Einsiedelei
  • Daraus entwickelte sich nach seinem Tod die Benediktinerabtei St. Josse-sur-Mer
  • Jodokus unternimmt eine Rom-Wallfahrt und wird dort von Papst (Martin I.?) empfangen
  • Danach lebt Jodokus wieder als Eremit in Runiac
  • Dort stirbt er am 13. Dezember 669 (668?)
  • Seine Gebeine liegen seit 25.07.977 in St. Josse-sur-Mer

 

Alter Chor Neues Kirchenschiff

Kontakt

Heimatverein Immenstaad e.V.
Thomas Schmidt (1. Vorsitzender)
Hersbergweg 1
88090 Immenstaad
0 75 45 / 60 12
mail@heimatverein-immenstaad.de

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